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 Anastasija Markova

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dyani
CHANGING COLOURS

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BeitragThema: Anastasija Markova   Fr Jul 08, 2016 4:16 pm

Mein Chaos steht in Flammen

I leave my regrets to sink
like ship wrecks through oceans dark
ANASTASIJA IVANOWNA MARKOVA
26
LEHRERIN
SINGLE
MATANUSKA
und ich mit einem Drink daneben, schau der glut beim fliegen zu und reflektier das leben
15. Februar 2016, Ossora Die Angst vor der Katastrophe nahm immer weiter zu. Mit jedem Schritt den Anastasija an diesem Tag tat, meinte sie ihren eigenen Herzschlag nicht nur deutlicher spüren, sondern auch immer lauter hören zu können. Ihre linke Hand klammerte sich um den Griff ihres Koffers, während ihre rechte nach der Hand ihrer Schwester suchte. Sie hatte Angst, unbeschreibliche Angst, das wieder etwas passieren würde, noch bevor sie Ossora verlassen hatten. Davor, dass sie die nächste sein könnte, der etwas zustoßen würde, einfach, weil es in ihrer Familie immer so schien, das etwas passierte, wenn eine große Veränderung in Sicht war. Oder eben weil jene Veränderung, jene Situation sie dazu zwang, weiter zu ziehen. Zu ihrem Erstaunen jedoch war nichts passiert. Gar nichts. Die Blondine hatte nicht einmal das Schild wahrgenommen das ihnen zeigte, dass sie sich gar nicht mehr in Ossora befanden. Die Bahn fuhr durch das Niemandsland der russischen Einöde, und das einzige was sie zu sehen bekamen, war das, woran sie sich in den letzten Jahren so gewöhnt hatte.
анастасия ивановна маркова "Anastasija Ivanowna Markova" Ihren Namen so auf dem neuen russischen Pass zu sehen trieb der damals 16-jährigen Tränen in die Augen. Fast zehn Jahre ist es nun schon her, dass sie sich nicht mehr Anastasia Ivanauna Borcheva nennen darf. Dabei hat sie nicht nur das belarussische Patronym ('auna') und den Nachnamen ihres Vaters in Minsk, ihrer Geburtsstadt, zurückgelassen, sondern teilweise auch sich selbst. Sechzehn Jahre war das Mädchen jung gewesen, als sie mit ihrer Mutter und den drei Schwestern aus Weißrussland fliehen musste, um nicht ebenfalls von der Regierung für die Werke und Veröffentlichungen ihres Vaters, der Journalist war, zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Früher hatten ihre Schwestern Elena (31 Jahre), Katarina (29 Jahre) und Alexandria (20 Jahre) die heute 26-Jährige oft als Wirbelwind beschrieben, dem ihre Mutter Janka nur zustimmen konnte. Als Kind hatte sie ihn geliebt, den Wind. Und immer wenn draußen ein Sturm tobte, pflegte ihre Mutter sie zu sich zu rufen. "Anna, schau!" hieß es dann, und sie konnte im geschützten Schoß ihrer Mama Platz nehmen und durch das große Wohnzimmerfenster auf die Straßen von Minsk hinunterschauen. Ihr gefiel das Chaos welches der Sturm anrichten konnte wenn er wollte. So voller Energie war sie auch mal gewesen; voller Elan und dem Drang, immer das richtige zu tun. Ihr Vater liebte es mit ihr zu scherzen und meinte manchmal, dass sie eine gute Anwältin abgeben würde; mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen, recht schaffend, selbstbewusst. Tatsächlich hatte Anastasia in Erwähnung gezogen, Jura zu studieren. Nicht nur, um ihren Vater stolz zu machen, sondern auch, um Gerechtigkeit und Gleichstellung in die belarussische Gesellschaft zu bringen, die sie dennoch liebte. Von Sitten und Traditionen war sie zuhauf von ihren Großeltern mütterlicherseits überschüttet worden, sodass diese sich tief in ihr inneres eingebrannt hatten und in ihrem Herzen bis heute dort überlebt haben. Denn traditionsliebend ist Anastasija noch immer, und das wird sie, im Gegensatz zu ihren Schwestern, wohl auch immer bleiben.
Dass die Lage der Meinungsfreiheit in ihrem Heimatland als eine der schlechtesten Europas gilt, darüber ist die Blondine sich bewusst. Doch wohnte sie lang genug in Minsk, um auch die schönen Seiten der Stadt, des Landes, und der Menschen mitbekommen zu haben. Mit den kaputten Pflastersteinen der ärmeren Teile verbindet sie ihre Kindheit; lange Abende an denen sie gemeinsam mit ihren Freundinnen draußen gespielt hat und erst zu spät nach Hause kam. Der kaputte Zaun hinter ihrer Schule, der das staatliche Gelände von einem Feld trennt, erinnert sie an ihren ersten Kuss und wie sie anschließend über eben jenes Feld von dem Jungen davon gerannt ist. Die jährlichen Feste in der Innenstadt und die daraus resultierenden prunkvoll geschmückte Häuser, Wohnungen und Läden; die Musik, die zum Tanzen auf dem Marktplatz einlud. Der Wocheneinkauf im viel zu kleinen Supermarkt mit Mama, Papa, und den manchmal nervigen, aber geliebten Schwestern. Das sind die Bilder, die Anna ihrer Erinnerung behalten möchte. Nicht der traurige Blick ihrer Mutter und ihre Verzweiflung an dem Abend, als ihr Ehemann nicht mehr nach Hause kehrte. Nicht die Angst die sie alle verspürten, als sie am frühen Morgen die Grenze zu Russland passierten, und keiner genau sagen konnte, wie es weiter gehen würde.

» konfliktmeidend » abgestumpft »  achtsam » naturverbunden »  familienbewusst »  feinfühlig » sensibel »  traditionell »  nostalgisch »  ruhig » untreu in beziehungen »  leistungsorientiert »  tagträumerisch »  zaghaft »  umgänglich »  genügsam »  fremdbestimmend bei ihren Schwestern »  verbittert »  unauffällig »  unflexibel »  defensiv »  wortkarg » pflichtbewusst »  höflich » sinnlich » charismatisch


Sie hatte schon immer eine ruhige Seite gehabt, die sie zeigte, wenn sie nicht grade wie eine starke Windböe gut gelaunt durch die Wohnung rannte. Tagträumerisch, feinfühlig, leistungsorientiert. Besonders zum Vorschein kamen diese Charaktereigenschaften aber erst, als die fünf sich ohne den Vater in Moskau niederließen. Ivan war stets ihr Gute-Laune-Bringer gewesen, der fortan in ihrem Leben fehlen sollte.
So entschied sie sich gegen das Jura Studium, und für eines der russischen Literatur. Ein Studiengang, in dem sie nicht viel von sich preisgeben musste. Mit wenigen Worten kam sie aus, das wichtigste wurde sowieso niedergeschrieben. Trotz ihres Fleißes war sie nie eine besonders gute Schülerin gewesen, sodass sie die Zugangsberechtigung für die Universität auch mehr durch Glück als Verstand bekommen hatte. Mit der Zeit Anna war abgestumpft für jegliches Glück, das um sie herum geschah, obwohl sie es nicht sonderlich bemerkte. Des öfteren täuschte sie Desinteresse ihrer Familie gegenüber vor, obgleich sie den anderen gegenüber immer wieder betonte, wie wichtig sie doch in ihrem Leben seien, und dass sie nicht ohne ihre Geschwister wohnen wollen würde. Trotzdem begab Anastasija sich viel lieber in die Hektik die Moskau zu bieten hatte. Dabei wollte sie nur sich selbst vor der Traurigkeit schützen, die vor allem ihre Schwester Elena und ihre Mutter getroffen hatte. Das nötige Feingefühl um solche Schwankungen zu erkennen hatte Anastasija schon immer gehabt, weshalb sie sich zunächst ein wenig von den beiden fern hielt. Mit dem Umzug in die "Ost-russische Einöde", wie Anna ihren neuen Wohnort zunächst zu bezeichnen mochte, änderten sich nicht nur gewisse Sichtweisen der Blondine, sondern auch sie selbst. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie sehr die Großstadt sie verändert hatte, wie distanziert sie geworden war. Doch in Ossora begann Anastasija wieder aufzublühen, wenn auch nicht so, wie früher. Sie ließ es wieder zu, ihren Gefühlen einen Platz in ihrem Innern zu geben, und achtete mehr auf sich und ihre Familie.
Heute ist sie eindeutig von den Ereignissen ihrer Vergangenheit gezeichnet. Dennoch bereut sie nichts, was sie getan hat, auch wenn es sie zu einer deutlich ruhigeren, dafür auch ausgeglicheneren Person gemacht hat. Vor allem das Studium hat Anna weiter gebracht, als sie je gedacht hätte. Denn dieses ermöglichte es ihr, an der Schule in ihrem Ort als Lehrerin anzufangen, und die Kinder in Russisch und Französisch zu unterrichten. Nicht als eine gebrochene Seele, sondern als eine selbstbewusste und sinnliche Dame hat Anastasija ihr neues Zuhause, Point Hope, betreten. Dennoch zieht sie, obwohl sie schon einige Monaten in Matanuska lebt, manchmal wie eine Fremde durch die Straßen der Stadt. Denn, charakterlich gesehen, ist sie niemand, der auf Außenstehende besonders wirkt. Erst wenn man Anastasija näher kennen lernt, kann es sein, dass sie wieder auftaut, und man gewissermaßen das Mädchen kennenlernt, das damals nach Moskau umziehen musste. Inzwischen ist es ihr auch wirklich zur Leidenschaft geworden zu Unterrichten. Auch in Point Hope ist sie weiterhin als Lehrerin tätig. Denn derzeit ist sie dabei, sich mit Hilfe der LWU offiziell für eine Lehrstelle zu qualifizieren und leistet dabei gleichzeitig ihr Referendariat an der privaten Highschool der Stadt ab, da sie um dort zu unterrichten keine Lizenz braucht. Den Kindern und Jugendlichen bringt sie Französisch bei; für ihre geliebte Muttersprache hatte es schlichtweg nicht genug Andrang gegeben. Dennoch mag sie ihren Job gerne, obwohl sie sich noch nicht sicher ist, wie lange sie ihn nach der Lizenzierung behalten möchte. Denn, von diesem Teil abgesehen, konnte man sie noch nicht sehr für Alaska begeistern.

+ Karamellbonbons + Rentiere +  das Gefühl Zuhause zu sein + Felder + den Sternenhimmel + warme Sommerabende + alte Bücher + russischer hip hop + Briefe schreiben + Fremdsprachen + Gärten pflegen | - Erdbeerkuchen - voreilige Entscheidungen - enge Räume - im Meer baden - Verantwortung für andere übernehmen - zug fahren - Handtaschen - Kaffee - Smartphones

17. Februar 2016, Anadyr Von Ossora nach Anadyr waren sie gereist, einmal an der Ostküste Russlands entlang. Mit Bahn und Schiff hatten die vier Markova-Schwestern ihr kleines Fischerdorf, in welchem sie in den letzten Jahren im Haus der Urgroßeltern gelebt hatten, in der Region Kamtschatka verlassen und machten sich nun auf zu neuen Ufern. Sie gingen und entfernten sich von der Sicherheit und dem guten Gewissen, das sie sich in den letzten sechs Jahren aufgebaut hatten. Wobei man meinen könnte, dass das meiste schon ein Jahr zuvor mit dem Tod ihrer Mutter verschwunden war. Denn die Fröhlichkeit, die das große Haus sonst stets erfüllt, hatte war wie ausgelöscht. In dem seltenen Fall das man mit der Familiengeschichte dieser weißrussischen Familie vertraut war, mochte es auf einen sowieso befremdlich wirken, wie glücklich sie dennoch über die Jahre gewesen waren.

» Anastasija Markova ist das dritte Kind von Ivan Borchev und Janka Markova, geboren am 23.02.1990 » Ihre Schwestern sind Elena, Katarina und Alexandria » Die Familie stammt aus Minsk, Weißrussland » Ihr Vater war Journalist und ist aufgrund seines Jobs seit 2006 verschwunden, da dort nur eingeschränkte Meinungsfreiheit herrscht  » Ihre Mutter flüchtete mit den Kindern zunächst nach Moskau, wo sie ihre Namen änderten » Später lebten sie im Haus der Urgroßeltern in Ossora, Ostrussland » Ihre Mutter war krank und starb erst vor wenigen Monaten » Danach entschlossen die Kinder sich dazu, nach Alaska auszuwandern, da ihr Onkel zunächst in Point Hope, und nun in Anchorage lebt

Wusstest du schon, dass ..., » sie häufig auch einfach nur "Anna" gerufen wird? » ihre Lieblingssuppe Schtschi, eine Kohlsuppe, ist? » sie aber auch Draniki, die wie kleine Kartoffelpuffer aussehen, unglaublich gerne isst? » ihr das Kochen, bis auf die beiden Gerichte, eigentlich nicht liegt? » Anastasija das einfache Leben auf dem Land im Endeffekt besser gefiel, als Moskau? » sie trotzdem gerne irgendwann nach Minsk zurückkehren möchte? » Anna die einzige der Schwestern ist, die noch daran glaubt, dass ihr Vater am Leben sein könnte? » ihr russischer Akkzent gar nicht so stark zum Vorschein kommt? » das Fotografieren ein Hobby der Blondine ist? » sie einmal ein Buch mit Fotos von Weißrussland herausgeben möchte? » ihr am besten historische Bücher gefallen, und sie selten anderes liest? » Anna einen totalen Narren an Verschwörungstheorien gefressen hat? » man sie auch gut mit diversen Persönlichkeitstests beschäftigen kann » Anastasija fließend Französisch spricht? » dies das einzige Schulfach war, in dem sie wirklich gut war? » sie sich die Sprache weiterhin selbst gebracht hat? » sie kaum Ahnung von Social Media hat, und nur ein Smartphone besitzt, um ordentlich in Kontakt zu ihren wenigen Freundinnen zu bleiben? » sie ihren alten mp3 Player deshalb stets als "Ihren Schatz" anpreist? »ihr roter Lippenstift, von allen Farben, am besten gefällt? » Anna an bestimmten Festtagen noch immer ihre weißrussische Tracht trägt? » sie nicht besonders von der Idee überzeugt ist, in Alaska ihr Glück zu finden? » sie zu einem One Night Stand vermutlich nicht Nein sagen würde? »   Anna, wenn sie nach ihrer Herkunft gefragt wird, oft einfach Moskau nennt? » sie bislang erst zwei Beziehungen geführt hat, und diese auch noch gleichzeitig? » ihre Schwestern für sie das wichtigste und das größte Glück sind? » sie lange gebraucht hat, um das zu verstehen und zu akzeptieren? » ihre Ausstrahlung sehr beruhigend auf andere wirkt? » sie manchmal Wut allem und allen gegenüber spürt, die sie aber in sich behält? » ihre Art zu lieben sehr leidenschaftlich ist? » sie manchmal nachts schreckhaft aufwacht? » dies allerdings niemand weiß, da sie der Meinung ist, dass es nicht wichtig ist? » man sie mit Kirschen immer aus der Wohnung locken kann? » Anna Linkshänderin ist?

» Spielerin: Rena  » Keine Weitergabe » Kein Gesuch » Regeln: gelesen » Avatarperson: Nora Arnezeder » Teil des Blondinen-Trios: Cherubyn, Ava und nun auch Anastasija



17. Februar 2016, Anadyr Von Ossora nach Anadyr waren sie gereist, einmal an der Ostküste Russlands entlang. Mit Bahn und Schiff hatten die vier Markova-Schwestern ihr kleines Fischerdorf, in welchem sie in den letzten Jahren im Haus der Urgroßeltern gelebt hatten, in der Region Kamtschatka verlassen und machten sich nun auf zu neuen Ufern. Sie gingen und entfernten sich von der Sicherheit und dem guten Gewissen, das sie sich in den letzten sechs Jahren aufgebaut hatten. Wobei man meinen könnte, dass das meiste schon ein Jahr zuvor mit dem Tod ihrer Mutter verschwunden war. Denn die Fröhlichkeit, die das große Haus sonst stets erfüllt, hatte war wie ausgelöscht. In dem seltenen Fall das man mit der Familiengeschichte dieser weißrussischen Familie vertraut war, mochte es auf einen sowieso befremdlich wirken, wie glücklich sie dennoch über die Jahre gewesen waren.

1915 - 1939
Jekaterina Yelchin hatte es in ihrem Leben nie leicht gehabt, was vor allem damit zusammenhing, dass sie als einziges Mädchen nicht nur in eine belarussisch-jüdische Familie hineingeboren wurde, sondern das auch noch im Jahr 1915. Natürlich konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel von Weißrussland und seinen heutigen Grenzen ausmachen, doch reichte das Umfeld und die Gesellschaft allein aus, um sie von klein auf den Hass auf ihre jüdische Minderheit spüren zu lassen.
Dies hörte erst auf, als sie im Alter von 15 Jahren an den sechs Jahre älteren Ilja Borchev verheiratet wurde. Für Jekaterina war es ein großes Glück, obgleich sie so jung war, denn immerhin musste sie den nicht jüdischen Nachnamen ihres Mannes annehmen und wurde so zu Jekaterina Borcheva.
Auch, wenn die beiden nie direkt aus Liebe geheiratet hatten war ihr Umgang miteinander stets von einer gewissen Zärtlichkeit und Respekt geprägt. Sogar der Wunsch, noch nicht gleich ein Kind in die Welt zu setzen wurde von ihrem Ehemann berücksichtigt, sodass ihr erstes Kind, Olga, erst 1933 zur Welt kam. Ein weiteres folgte, wenn auch mit etwas Abstand, im Jahr 1937. Gemeinsam lebten Ilja und Jekaterina somit für die nächsten zwei Jahre mit ihren zwei Kindern Olga und Anton in der Nähe von Minsk. Doch schon bald sollte die heile Welt der Kleinfamilie erschüttert werden: Der Zweite Weltkrieg rückte immer näher, und besonders für die Eltern, die schon den ersten überlebt hatten, brach eine Welt zusammen. Als die kleine Olga dann auch noch im Alter von nur sechs Jahren einer Lungenentzündung erlag, und Jekaterina – aufgrund ihrer jüdischen Abstammung – gedroht wurde, fasste Ilja den Entschluss, zunächst aus der behüteten Heimatstadt zu fliehen. Nur knapp entgingen sie der Großen Säuberung die wie eine Welle über das Land rollte und vielen Freunden und Bekannten, die nicht fliehen wollten, das Leben kostete.

1940 - 1957 Zuflucht fanden sie zunächst in Moskau, doch auch dort fühlten die Borchevs sich nicht sicher, sodass sie den weiten Weg nach Wladiwostok auf sich nahmen. Monate dauerte es, bis sie dort wirklich angekommen waren. Mehrere Tage und Wochen hatten sie in Zügen verbracht, hatten sich in den Abteilen, und manchmal auch außerhalb dieser, verstecken müssen, waren davon gelaufen und zum Glück nie festgenommen worden.
Mit den Jahren, aber besonders nach Kriegsende, florierte die Stadt immer mehr und entwickelte sich zum neuen Heimatort der Familie. Es fehlte ihnen an nichts, das man nicht auch durch einen Kuss oder eine liebevolle Umarmung ersetzen konnte. Tatsächlich hatte Ilja sich das Leben in einem anderen Land nicht so sorgenfrei vorgestellt wie es nun dennoch verlief.
Als Anton 1957 beschloss, wieder in sein Heimatland zurückzukehren, staunten seine Eltern nicht schlecht. Zwar wussten sie, dass sich vieles geändert hatte, doch das vergleichsmäßig positive Ausmaß der Geschehnisse der letzten Jahre in Weißrussland konnten auch sie nicht erahnen. Verbieten, dass er sich auf diese Reise zu seinen Wurzeln begeben wollte, konnten und wollten Jekaterina und ihr Mann allerdings auch nicht, sodass sie ihr einziges Kind an den Ort zurückkehren ließen, von dem sie damals geflüchtet waren.

1958 - 1989 Ilja und Jekaterina selbst kehrten allerdings nie wieder nach Minsk zurück; stattdessen kauften sie sich ein kleines Stück Land und ein Haus in Ossora, einem kleinen Dorf weitaus nördlicher von Wladiwostok, und verbrachten dort ziemlich zufrieden den Rest ihres Lebens.
Anton jedoch war zurückgekehrt. Zu Beginn war es schwer für ihn zu verstehen und sich wieder daran zu erinnern, warum sie damals geflohen waren. Jeden Schritt den er tat, verband er gleichzeitig mit großer Freude und großem Schmerz; Das Glück, das er damals Kind empfunden hatte, und den Hass, mit dem man vor allem seiner Mutter gegenübergetreten war. Alles war so präsent wie nie zuvor, und dennoch war er alleine in diesem Land, in dieser Stadt, an der er vielleicht weniger gefallen finden sollte, als er tatsächlich empfand. Anton mochte die Stadt und die Menschen, er war ein richtiger Fremder, und nicht mehr nur "der fremde Junge" wie man ihn in Russland so oft betitelt hatte. Natürlich vermisste er seine Eltern, doch sollte auch diese Einsamkeit ein Ende finden, als er die fünf Jahre jüngere Viktorija Nemirova kennen und lieben lernte.
Im Frühjahr 1959 gaben die beiden einander ihr "Ja", und bezogen gemeinsam eine kleine Wohnung in Minsk, die in den nächsten zehn Jahren von Liebe und Kinderlachen gefüllt werden würde. Neben Nikolai, der 1960 das Licht der Welt erblickte, schenkte Viktorija ihrem Anton fünf Jahre später einen weiteren Sohn, den sie Ivan nannten.
Die beiden Brüder wuchsen behütet auf und gemeinsam führten sie das geregelte Leben einer kleinen belarussischen Familie. Das, was Anton gewissermaßen verwehrt worden war, und wovon er gar nicht ahnen konnte, wie sehr er sich danach gesehnt hatte. Seine Söhne so aufwachsen zu sehen bereitete ihm unendliche Freude, die er immer wieder in Briefen an seine Eltern ausdrückte. Diese wiederum waren froh darüber, dass ihrem Sohn die Möglichkeit gegeben war, sich so frei in seinem Heimatland bewegen zu dürfen, und das auch ihm das Glück gegeben war, eine Familie zu haben.

Im Laufe der Jahre kristallisierte sich heraus, wie unterschiedlich Nikolai und Ivan eigentlich waren. Während der ältere sich dazu entschied, in das Handwerk einzutreten und eine Lehre zum Goldschmied zu absolvieren, entschied der jüngere sich für ein Studium des Journalismus. Der Beziehung der beiden brachte dies allerdings keinen Bruch, sondern schweißte sie, wenn überhaupt möglich, noch enger zusammen.
Auch wenn sich die Menschenrechtslage in Weißrussland in den letzten Jahren gebessert hatte, so war sie, generell betrachtet, noch immer deutlich hinter einem gewissen Standard, der sich allmählich in Europa zu bilden begann. Auf der Meinung beharrend das er das richtige tat, schloss Ivan als 25-jähriger sein Studium ab, und begann aktiv als Journalist zu arbeiten. Seine Frau, Janka Borcheva, geb. Markova, die er fünf Jahre zuvor bereits geheiratet hatte, und mit der er zum Zeitpunkt des Studienabschlusses schon zwei Kinder hatte, gefiel dieser Entschluss wenig, doch überwog die Liebe zu ihrem Mann. Sie selbst hatte nie einen Beruf gelernt, hätte sie doch nie die Zeit dafür auftreiben können. Erst recht nicht, mit einem dritten Kind, das bereits auf dem Weg war.

1990 - 2001 Während Ivan also seine eigene Familie aufbaute, die nun bereits aus seiner Frau Janka, sowie den Töchtern Elena, Katarina und Anastasija, bestand, beschloss sein Bruder nach Ossora zu ziehen. "Der Großeltern wegen" hatte er stets gesagt, doch ob dies der alleinige Grund dafür war, konnte keiner so recht sagen. Tatsächlich waren Ilja und Jekaterina älter und kränklicher geworden und konnte Hilfe mit ihrem Gemüseanbau, sowie der kleinen Rentierzucht die sie sich aufgebaut hatten, gut gebrauchen, doch fürchtete Ivan, dass sein Bruder auch seinetwegen fortging. Immerhin hatte er nun seine eigene Familie, und auch wenn er seinen Bruder liebte, blieb bei drei jungen Töchtern manchmal nur wenig Zeit für andere. Außerdem war da noch sein Beruf, in dem er sich fast täglich einem großen Risiko aussetzte.
In unregelmäßigem Kontakt standen sie aber trotzdem, auch wenn es manchmal schwer war, den jeweils anderen tatsächlich zu erreichen. Noch immer befand sich Europa, und besonders der östliche Teil, in einem großen Umschwung zur Moderne hin, von der man teilweise weder in Minsk noch in Ossora spüren konnte.
Nur zwei Jahre nachdem Nikolai in das ferne Ostrussland gezogen war, starben seine Großeltern. Das Haus, das zunächst an Anton vererbt worden war, erbte er aber selbst 1999, als sein Vater bei einem Unfall ums Leben kam. Nikolai selbst beschloss jedoch auch nach all den Toden in seiner Familie einige Zeit in Ossora zu leben und verließ erst im Jahr 2001 das kleine Fischerdorf wieder, um nach Alaska überzusiedeln. 

2002 - 2006 Inzwischen bestand der Teil der Familie Borchev, der in Minsk geblieben war, nur noch aus Ivan, seiner Mutter, seiner Frau und deren Eltern, sowie den vier Töchtern. Die letzte im Bunde, erst 1996 geboren, Alexandria, wurde gerne als "Küken" und "Nachzüglerin" bezeichnet. Trotz des Altersunterschiedes waren die Schwestern meist unzertrennbar, auch wenn es manchmal zu Streitereien kam, die allerdings schnell wieder beiseite gelegt wurden.
Wirkliche strenge hatte Ivan nie kennengelernt, sodass er diese nicht die Kindererziehung miteinbringen konnte. Doch dafür wusste Janka umso mehr darüber. Da auch sie später begann, zumindest halbtags, zu arbeiten, kümmerten sich ihre Eltern (Alexej Markov und Anastasia Markova) oft um die vier Mädchen. Ihnen war es wichtig, den kleinen gutes Benehmen zu vermitteln und gute Manieren an alle weiter zu geben. Das Verhältnis zu den Großeltern mütterlicherseits war stets von Genauigkeit geprägt; wie Adler kreisten sie um die Mädchen und versuchten sie nicht nur von großem Unglück, sondern auch vor großer Freude abzuschirmen.
Besonders lange hielt aber auch diese Überwachung nicht an, denn schon bald sollten sie den Kontakt zueinander verlieren. 

25. - 27. Juni 2006, Minsk Die Familie saß gemeinsam am Frühstückstisch zusammen, und im Grunde war es ein Sonntag wie jeder andere auch. Mit der Ausnahme, dass sich ihr Weltbild später auf den Kopf stellen würde. Denn in den letzten Monaten waren – mal wieder – einige Journalisten und Oppositionelle verschwunden. Zumindest hieß es das offiziell, doch den Insidern war klar, dass sie entweder gefangen genommen oder ermordet worden waren. So ein Insider war inzwischen auch Ivan geworden, der seine Beiträge und Artikel nur noch unter "I. Antonawitsch" heraus brachte.
"Ein Treffen steht an", so hatte der Familienvater es den anderen deutlich machen wollen, dass auch er nun unter Beobachtung der Regierung stand. Denn ihn davon überzeugen, das es besser war aufzuhören, hatte noch keiner geschafft. Nein, stattdessen hatte er hart weiter gearbeitet – und das sollte der Lohn für die Mühe sein. Seine Frau und die drei ältesten Töchter waren geschockt als sie davon erfuhren, während die kleine Alexandria kaum etwas mit den Worten ihres Vaters anfangen konnte.
Am Abend des 25. Juni ging Ivan zum Treffen, zu dem er "eingeladen" worden war. Aber nicht, ohne sich vorher von seiner Familie zu verabschieden. "Wir sehen uns Morgen früh!" sollten die letzten Worte gewesen sein, die sie alle gemeinsam von ihm vernommen hatten. Anschließend umarmte er jede seiner Töchter herzlich und flüsterte ihnen etwas ins Ohr, ehe er seinen Mantel nahm und durch die Wohnungstür ins Freie trat. In der Annahme, dass er jedem das gleiche gesagt hatte, sprachen die Schwestern allerdings erst viel später über die letzten Worte, die sie einzeln zugesprochen bekommen hatten.

Alles ging ganz schnell, als Ivan am Abend des 26. Juni die Wohnung immer noch nicht betreten hatte. Anscheinend hatte er Janka einen Brief hinterlassen in dem stand, was zu tun war, sollten sie ihn nicht zurückkehren lassen. Schon zuvor hatte die besorgte Mutter die Taschen ihrer Kinder gepackt, und ehe sie sich versehen konnte, verließen sie gemeinsam in der Nacht zum 27. Juni ihre Wohnung, ihre Heimat, ihr geliebtes und vertrautes Weißrussland.

Juli 2006 –  Dezember 2010 Wie schon Ilja und Jekaterina 66 Jahre zuvor, fand die junge Familie Borcheva Unterschlupf in Moskau. Mit nur wenigen Wertgegenständen in den sonst vollen Taschen erreichten sie die Hauptstadt Russlands. Relativ leicht war es für sie gewesen, dorthin zu gelangen. Wie genau verstand keiner der kleinen Blondinen, sollte es doch immer ein gut gehütetes Geheimnis der Mutter bleiben, das sie sogar mit sich ins Grab nahm.
Die Angst, trotz der Entfernung zu ihrem alten Zuhause, gefunden zu werden, überwog schließlich. Und auch wenn sich die Einreise der Familie als recht angenehm erwiesen hatte, gab es bei der Namensänderung ein paar Schwierigkeiten. Die meisten Unterlagen hatte Janka tatsächlich noch retten können, doch mangelte es ihr an Geld, die fünf Änderungen tatsächlich umzusetzen. Man sollte meinen, da sie ja auf der Flucht waren, dass man ihnen bei so etwas helfen würde. Die Realität entpuppte sich aber als vollkommen anders, und so nahm sie Kontakt zu dem Bruder ihres verschwundenen Ehemannes auf. Nikolai, der inzwischen ein glückliches Leben in Point Hope führte, half natürlich gerne aus und lieh ihr das Geld, um dem Terror und der Angst zu entkommen. Und so wurde 2007 aus der Familie Borcheva wieder die Familie Markova.
Während ihrer Zeit in Moskau versuchten sie, sich gemeinsam ein normales Leben aufzubauen, was auch immer das bedeuten sollte. Denn normal oder geregelt war in den letzten anderthalb Jahren nichts gewesen, auch wenn sie stets versuchten, sich so gut wie möglich anzupassen: Anastasija nahm ein Studium der russischen Literatur auf, während ihre anderen Schwestern entweder begannen zu arbeiten, oder ihr Studium beendeten, welches sie bereits in Minsk angefangen hatten. Nur die jüngste der Schwestern ging noch immer zur Schule. So verliefen die nächsten Jahre relativ ruhig. Den Kontakt zu den verbleibenden Großeltern, beider Seiten, hatte Janka abgebrochen, auch wenn es ihr Herz brach, ihre Familie zurück lassen zu müssen. Nur zu Nikolai hielt sie in unregelmäßigen Abständen noch Kontakt.

Während Elena und Katarina manchmal unzufrieden damit schienen, dass sie noch immer mit ihrer Mutter und den anderen beiden Schwestern zusammen lebten, genoss Anastasija diese Situation. Sie wollte gar nicht alleine wohnen und betonte stets, dass ein Leben ohne ihre Schwestern ihr viel zu einsam wäre. Doch in eben jene Einsamkeit wurde sie gedrängt, als ihre Mutter ihnen mitteilte, dass sie wieder umziehen würden.

Dezember 2010 – Februar 2016 Das Haus in Ossora, welches rechtmäßig noch immer Nikolai gehörte, begann zu verfallen. Schon zuvor hatte er Janka angeboten dorthin zu ziehen, damit sie endlich Ruhe finden würden. Denn ihr Leben in Moskau war hektisch geblieben, vom ersten bis zum letzten Tag. Daran war nicht nur die zu vorige Flucht Schuld, sondern die Stadt an sich. Während Anastasia sich in die Hektik und den Trubel verliebt hatte, schien besonders ihre Mutter daran kaputt zu gehen. Ihre Gesundheit schien abzunehmen, doch was genau mit ihr los war, konnte keiner der Ärzte feststellen. So zogen die fünf kurz vor den Weihnachtstagen 2010 in das bescheidene Dorf Ossora an der Ost russischen Küste.
Anastasija, die ihr Studium noch in Moskau beendet hatte, fand eine Anstellung als Lehrerin, und unterrichtete die Kinder in Russisch und Französisch, da sie dieses in der Schule selbst gelernt hatte. Auch wenn es ihr zunächst schwer fiel nun auf dem Land zu leben, tat sie ihr bestes um sich anzupassen. Und tatsächlich gelang es ihr besser, als sie zunächst angenommen hatte. Wirklich gemerkt, dass diese Ruhe die sie nun umgab, das war, was sie gut gebrauchen konnte, hatte die Blondine zuvor nicht. Sie hatte den Stress, der sie in den letzten vier Jahren in der Großstadt stets umgeben hatte, als alltäglich und normal wahrgenommen. Und auch ihren älteren Schwestern schien es auf dem Land besser zu gefallen. Zwar war alles kleiner und gewissermaßen auch enger, doch weiter verstreut, wodurch sie ganz andere und neue Freiheiten zu spüren bekamen. Besonders Elena, die sich seit der Zeit in Moskau immer weiter zurückgezogen hatte, schien wieder mehr Freude am einfachen Sein zu haben. Dennoch war es schwierig näher an sie heran zu kommen. Besonders für Anastasija, die im Gegensatz zu ihren Schwestern noch immer davon überzeugt ist, dass ihr Vater noch am Leben sein könnte. Häufig stieß sie mit dieser Anmerkung wie auf Stein, was dazu führte das sie ihre Meinung nur noch selten laut aussprach.

Noch immer ging es der Mutter nicht besser, auch wenn sie stets sagte, dass sie sich in Ossora viel wohler fühlte, als noch zuvor in der Großstadt. Doch ihre Kinder wollten nicht tatenlos mit ansehen, wie Janka scheinbar von Tag zu Tag schwächer wurde. So beschlossen sie gemeinsam Nikolai erneut um Hilfe zu bitten um ihre Mutter nach Amerika zu bringen, in der Hoffnung, dass es dort Ärzte gab, die ihr helfen konnten. Tatsächlich tat ihr Onkel auch alles erdenkliche und setzte einiges in Bewegung, um nicht nur Janka, sondern auch ihren Töchtern einen permanenten Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ermöglichen zu können.
Fast vier Jahre hatte es gedauert an die benötigten Greencards zu kommen, die den permanenten Aufenthalt der Markovas besiegeln sollten. Vier Jahre, in denen sie hoffen und bangen mussten, dass es ihrer Mutter nicht schlechter gehen würde, und dass sie, oder ihre Mutter, tatsächlich durch die begehrte Greencard Lotterie gewinnen würden. Im Endeffekt war es eine Kombination aus purem Zufall und einer Menge Glück gewesen, die ihnen diesen Weg ermöglichte.  Elena war zuvor schon einige Male in Alaska gewesen, in erster Linie um ihren Onkel beim Ausfüllen der nötigen Papiere zu unterstützen. Jedoch war es für sie auch eine gute Möglichkeit, etwas Abstand von der Familie zu gewinnen.Nach einigem hin und her sollte es im Spätsommer 2015 also so weit sein. Die Koffer waren größtenteils schon gepackt, und Freude und Trauer lagen, wie schon so oft zuvor in dieser Familie, so eng beieinander, dass man das eine nicht vom anderen trennen konnte. Doch es schien, als hätte Gott etwas dagegen, dass sie nun ihr altes Haus verlassen würden. So zumindest hatte Janka es ihren Töchtern vermittelt, die zu krank geworden war, um auf diese weite Reise zu gehen, geschweige denn das Haus zu verlassen. Allen beteiligten war klar, dass sie bald sterben würde, und so entschlossen die Schwestern sich dazu, zu bleiben.
Und sie blieben noch fünf Monate, denn auch nachdem ihre Mutter kurze Zeit später verstorben war, konnten sie sich nicht dazu überwinden, ihr vertrautes Heim aufzugeben. Ungläubig hatten die Schwestern einander angeguckt und zusammen auf dem Wohnzimmerteppich gelegen, die Arme um die jeweils andere geschlungen, um für einen Moment zu vergessen, dass sie – schon wieder – jemanden verloren hatten. Nach allem was passiert war, war es jedoch Katarina, die in den folgenden Monaten so etwas wie eine Mutterrolle übernommen hatte. Nicht Elena, die älteste, sondern ihre zwei Jahre jüngere Schwester. Und sie war schließlich auch diejenige gewesen, die den anderen klar gemacht hatte, dass es galt, weiter zu leben, und jetzt nicht zu stagnieren.

15. - 19. Februar 2016, Ossora & Anadyr & Nome Schließlich hatten sie dennoch alles gepackt, das ihnen lieb und teuer war, und das sie in ihr neues Leben mitnehmen mussten und wollten. Am frühen Morgen hatten die Schwestern ihr Dorf verlassen und sich auf den Weg in das Ungewisse gemacht.
Die Fahrt hatte sich als lang und beschwerlich erwiesen. Wirklich miteinander gesprochen hatten die vier allerdings nicht, stattdessen schien jede ihren eigenen Gedanken nachzugehen. Und auch wenn Elena und Anastasia sich in den letzten Jahren nur in wenigen Punkten einig gewesen waren, so verband sie jetzt der gleiche Gedanke: denn wirklich sicher, ob sie das richtige taten, waren sie sich nicht. Die beiden wollten für ihre Schwestern nur das beste, deshalb hatten sie sich auch darauf eingelassen, doch ob es für sie selbst auch die richtige Entscheidung war, daran zweifelten sie.
Mit dem Boot setzten sie schließlich von Anadyr nach Nome über. Im Normalfall passierte es selten, dass eine Familie so von einem in das andere Land übersiedelte, doch hatten sie eine Nische in den Regelungen entdeckt, die es ihnen ermöglichte, ihren Weg so fortzusetzen.

20. Februar – 1. März 2016, Anchorage Schon kurz nachdem sie im Hafen von Nome angekommen waren, ging es für die Schwestern weiter nach Anchorage, wo Nikolai nun wohnte. Die ersten Tage wohnten sie bei ihm, doch war allen Beteiligten klar, dass dies für längere Zeit nicht die beste Lösung war. Und da ihr eigentliches Ziel nie Anchorage, sondern Point Hope gewesen war, war es mehr als verständlich, dass sie sich schließlich auf den Weg in die alte Heimatstadt ihres Onkels machten.


Zuletzt von dyani am So Jul 17, 2016 12:53 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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